09.02.2012 – Daimler, Daimler über alles

Des Deutschen liebstes Kind ist pfeilschnell, blitzblank, hat 4 Räder und einen Namen – Baronin Mercédès Adrienne Manuela Ramona von Weigl kurz Mercedes. Und so wie der Erste seiner Art mit sattem 16 PS Daimler-Motor schon 1899 seine Konkurrenten überholte, gewinnt Daimler noch heute dazu. Im Vorjahr smarte sechs Milliarden Euro, der größte Gewinn aller Zeiten für die 160.000 Autobauer im Muschterländle, die von Walroßbartträger Zetsche spontan wie gönnerhaft mit 4100 Euro Prokopfprämie beteiligt wurden. „Das Beste oder nichts.“ meint der kaiserliche Konzernchef und schwört seine Einzelteile auf ehrgeizige Ziele bis 2020 ein – Absatz verdoppeln, Rendite über 10-Prozent. Vor Jahren sah das noch anders aus. Daimler baute 14.000 Stellen ab und reduzierte die Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden bei vollem Lohnabzug. Die logische Folge eines desaströsen Fusionsmanagements. Heute fließen Gewinne und Bänder wieder im 35 Wochen-Stunden-3-Schichten-Takt. Alles richtig gemacht, Herr Zetsche. Falsch! Meint zumindest die „Initiative Arbeitszeitverkürzung“ – eine bunte Revoluzzertruppe aus Ökonomen, Gewerkschaftern und Attac-Aktivisten, die von einer modernen und menschenfreundlicheren Arbeitsgesellschaft träumt. Daimler war aus deren Sicht schon traumhaft nah dran, vom Umverteilungsproblem mal abgesehen. Bei einer Normalarbeitszeit von 30 Stunden in der Woche kann mit einer Leistungssteigerung gerechnet werden, weil die Mitarbeiter ausgeschlafen und ausgeruht seien, meinen die hoffnungsvollen Idealisten. Ökonomisch wird Vollbeschäftigung dann möglich, wenn 2 Prozent Produktivitätsfortschritt und 3 Prozent Gewinnumverteilung dafür eingesetzt würden, rechnet der prominente Attac Polit-Ökonom Mohssen Massarrat vor. Deutschland hätte dazu auch noch weniger Kosten für Arbeitslosigkeit. Und sogar die sonst so arbeitsversessenen Deutschen wären dabei. Die meisten Befragten einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gaben 30 Stunden als Wunscharbeitszeit an. Wer hätte das gedacht. Am Ende der Milchmädchenrechnung haben die Deutschen mehr Geld, mehr Freizeit und Daimler mehr verkaufte und geputzte Autos als je zuvor.

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